Au-pair – ist es schwer? 

von Olga Mischtschenko

Wovon träumt jeder Deutschstudierende? Die Antwort ist einfach: Deutschland zu besuchen. Um seine Deutschkenntnisse zu vertiefen, zu vervollkommnen, zu verbessern, um deutsche Kultur zu erleben und so weiter. Wer viel Geld hat, der hat es gut. Die anderen müssen sich viel Mühe geben, um Deutschland besuchen zu können. Es gibt mehrere Möglichkeiten für sie, die verschiedene Programme anbieten. Eine davon ist die Möglichkeit, ein ganzes Jahr in Deutschland in einer Familie zu verbringen. Man hat nur Hin- und Rückreise zu bezahlen und… Kinder zu betreuen. Es heißt «Au-pair-Aufenthalt» oder «Au-pair-Jahr». Und ein Mädchen oder ein Junge, der es macht, ist ein «Au-pair».
 
Die über 300 staatlich anerkannten Au-pair-Agenturen vermitteln jedes Jahr rund 8000 Jugendliche und junge Erwachsene ins europäische Ausland oder nach Übersee. Viele Permer zwischen 18 und 25 nutzen diese Möglichkeit. Und sind zufrieden… oder nicht besonders. Zwei Studentinnen der Permer Pädagogischen Universität, die ein Au-pair-Jahr hinter sich haben, erzählen über ihre Eindrücke.
 
Die erste Geschichte
Ekaterina Muravjova hatte sich während ihres Au-Pair-Aufenthaltes nicht auf eine Gastfamilie beschränkt. Die erste hatte sie in der kleinen Stadt Kleve. “Die Gastfamilie bestand aus Eltern und einem 9jährigen Jungen”, erinnert sich Katja, Studentin des 4. Studienjahres. “Sie hatte ein 4-stöckiges Haus, das ich aufzuräumen hatte. Dies mit anderen Hausarbeiten zusammen schien meine Hauptaufgabe zu sein”.
 
Der Junge, den Katja betreuen musste, brauchte nicht beaufsichtigt zu werden und war eigentlich frech zu ihr. Die Gasteltern waren stets beschäftigt und unterhielten sich nicht mit Katja. Der Sprachkurs in einer kleinen Stadt war für Anfänger, zu denen sie nicht gehörte. “Äußerlich sah der Aufenthalt schön aus: „ich hatte ein schönes Zimmer, genug Taschengeld und viel Freizeit”, erzählt Katja. “Das Hauptziel meiner Reise war es aber, meine Deutschkenntnisse zu vervollständigen, und ich hatte keine Möglichkeit, es zu machen. Es betrübte mich.”
 
Zum Glück hatte sich Katja mit guten Menschen bekannt gemacht. Es waren ein Mädchen aus Twer, das sie während der Busfahrt von Moskau nach Düsseldorf kennen gelernt hatte, und eine Lehrerin, die den Sprachkurs unterrichtete. Sie halfen Katja die nötigen Unterlagen zu sammeln, um sich um einen Studienplatz an der Essener Universität zu bewerben.
 
Bis zum Schluss wusste die Gastfamilie nichts davon, und als Katja eine Zulassung von der Universität bekam, war sie dagegen und wollte ihre Putzfrau nicht verlieren. Katja blieb nichts übrig, als abzuhauen. Sie machte in Essen den Sprachkurs zur Vorbereitung auf das Studium und bestand erfolgreich Prüfungen. “Ich darf in Deutschland studieren, möchte aber zuerst die Uni in Perm abschließen”, teilt Katja mit.
 
Nach dem Sprachkurs in Essen hatte sie noch ein halbes Jahr und meinte, dass es noch zu früh war, nach Hause zurückzukehren. Dann bekam sie durch die Agentur die zweite Gastfamilie. “Diesmal hatte ich es gut und war zufrieden”, lächelt Katja.
 
Die zweite Geschichte
Maria Suslova, Studentin des 4. Studienjahres, hat ein ganzes Jahr als Au-Pair-Mädchen in Deutschland verbracht und zwischen drei Familien gewechselt. Zuerst wurde sie nach Westbaden geschickt, wo sie sich aber nicht länger als seine Woche aufhielt. Ein ehemaliges Au-pair, das noch da war, beklagte sich bei ihr über ihre Gasteltern, mit denen sie nicht mal zusammen am Tisch gesessen hatte. “Vielleicht würde es mir in dieser Familie gut gehen, aber diese Vorstellung jagte mir Angst ein und ich bat meine Agentur um eine neue Gastfamilie”, erinnert sich Mascha.
 
Die zweite Gastfamilie, die in der Nähe von Frankfurt am Main wohnte, war sehr reich. Sie hatte ein großes Haus, viel Geld und… 13 Autos in der Garage! “Der Vater sammelte sie”, lächelt Mascha. Es kamen aber noch vier Kinder und ein Hund hinzu, die viel, zu viel Zeit in Anspruch nahmen. Es war unmöglich (und verstieß gegen die allgemeinen Regeln des Au-Pair-Aufenthaltes), fast zwölf Stunden pro Tag zu arbeiten und nur einen freien Tag zu haben. “Diesen Bedingungen war ich nicht gewachsen und musste wieder die Familie wechseln”, sagt Mascha.
 
Nicht zufällig sagen die Deutschen: “Aller guten Dinge sind drei”. Gerade mit der dritten Gastfamilie hatte Mascha es gut. Sie wohnte in der Nähe von Dortmund und hatte zwei Kinder. “Wir hatten uns so gut verstanden”, erinnert sich Mascha. “Das war eine sehr schöne Zeit. Ich war zu einem Familienmitglied auf Zeit geworden und war immer eingeladen, wenn meine Gastfamilie ausging. Wir machten Ausflüge, gingen in Cafes und Restaurants. Die Familie meinte es sehr gut mir.“

 Mascha Suslova mit Gastfamilie

Der Au-Pair-Aufenthalt brachte also Mascha viele neue Eindrücke. Sie hatte im April zwei Wochen Urlaub, während dessen sie viele Länder besuchte. Sie reiste eigentlich viel fast jedes Wochenende. “Als ich noch in Deutschland war, dachte ich, ich würde nicht mehr als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland gehen, wenn ich im Voraus gewusst hätte, was das bedeutet,” erinnert sich Mascha. “Im Rückblick aber verstehe ich, dass es das beste Jahr in meinem Leben war. Ich möchte es nicht vermissen”.
 
Sprachkenntnisse
Das Au-Pair-Jahr half den beiden Mädchen, ihre Deutschkenntnisse verbessern. “Vor der Fahrt musste ich mir zuerst genau überlegen, was ich auf Deutsch sagen wollte, dann baute ich einen Satz im Kopf,” teilt Mascha mit. “Jetzt bereitet es mir keine Schwierigkeiten, spontan deutsch zu sprechen. Als ich nach Perm zurückkehrte, war es schwer, zu der russischen Sprache überzugehen. Ich sprach mit meinen Eltern auf Deutsch und sie baten mich aufzuhören. Jetzt spreche ich ab und zu mit mir selbst auf Deutsch”.
 
“Man irrt sich, wenn man vor der ersten Fahrt nach Deutschland meint, dass man kommt und sofort zu sprechen anfängt und die deutsche Rede versteht,” sagt Katja. “Es ist nicht so, selbst wenn man im 3.Studienjahr der Fremdsprachenfakultät ist und Deutsch als Hauptfach hat. Als ich in Düsseldorf am Anfang des Au-Pair-Jahres ankam, besuchte ich eine Vorlesung und verstand fast nichts. Das war der erste Eindruck: ich verstand nicht, was gesprochen wurde. Jetzt steht es mit dem Verstehen der deutschen Rede bei mir sehr gut. Ich habe viele Freunde in Deutschland, mit denen ich mich problemlos unterhalten kann”.
 
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