Die Permer Staatliche Kunstgalerie

 
Von Sabine Skott
 
In der Permer Staatlichen Kunstgalerie, die 1922 eröffnet wurde, kann man Werke aus verschiedenen Epochen der russischen Kunst, der westeuropäischen Kunst, des Kunsthandwerks und die in ganz Russland bekannte Sammlung der Holzskulpturen aus dem Permer Gebiet sehen.

Die Die ehemalige Christi-Verklärungs-Kirche in Perm

Die Galerie ist seit 1931 im Gebäude der ehemaligen Christi-Verklärungs-Kirche untergebracht. Die ehemalige Kirche aus dem 18. Jahrhundert liegt am Ufer des Flusses Kama und prägt mit ihrer Silhouette im russischen klassizistischen Stil das gesamte Stadtbild. Bei der Einrichtung der Galerie war die Christi-Verklärungs-Kirche das größte Gebäude des alten Perm und prägte sowohl das uferseitige Stadtbild durch den gesamten Baukomplex, als auch das Zentrum, für das der dreifach gestufte Glockenturm den optischen Abschluss des Komsomolski Prospekts, der Permer Hauptstraße, bildet. Kirche und Glockenturm sind bis heute das Wahrzeichen von Perm.

Der Glockenturm der ehemaligen Christi-Verklärungs-Kirche am Ende des Komsomolski Prospekts

Die Ikonostase (18. Jh.) der Kirche stammt ursprünglich aus einem Kloster im Permer Gebiet. Sie blieb, trotz der Umnutzung der Kirche in ein Museum, erhalten. Die Ikonostase ist zwar nicht in ihrer Gesamtheit zu sehen, jedoch kann man sie von mehreren Punkten in der Ausstellung in ungewöhnlichen Perspektiven wahrnehmen.
Die Russisch-Orthodoxe Kirche möchte dieses Gebäude wieder als Gotteshaus nutzen. Nachdem nun die Wettbewerbsphase für das Museumsprojekt PERMMUSEUMXXI abgeschlossen ist, und die Permer Staatliche Kunstgalerie 2010 in das neue Gebäude umziehen könnte, gäbe es für die Stadt Perm die Möglichkeit, das Gebäude in den kirchlichen Besitz zurückzuführen. 

Ausstellungshalle der Staatlichen Permer Kunstgalerie

1890 wurde in Perm das Wissenschafts- und Industriemuseum gegründet, dem 1902 die Abteilung Kunst angegliedert wurde. Bis 1922 befanden sich wenig Werke und diese ausschließlich mit regionalem Bezug in der Permer Sammlung. So z.B. Arbeiten von P.P. Wereschtschagin, einem Professor der Permer Kunstakademie und die Werke der Brüder P.A. und A.A. Swedomski. Die provinzielle Sammlung in Perm veränderte sich zu einer nationalen Sammlung durch den Staatlichen Museumsfond der Sowjetunion. Dieser Museumsfond, mit Abteilungen in Moskau und St. Petersburg, hatte von 1921 bis 1928 den Auftrag in Russland Provinzmuseen einzurichten. Während im Jahre 1922 lediglich 140 Kunstwerke in Perm verzeichnet waren, wuchs die Sammlung ein Jahr später auf 2858 Objekte an und 1925 wurden bereits 4451 Kunstwerke registriert. Heute hat die Sammlung in Perm über 45 000 Objekte. Von denen jedoch, aufgrund der räumlichen Verhältnisse, lediglich fünf Prozent zu besichtigen sind.
 
Berühmt in ganz Russland ist die Permer Kunstgalerie für ihre Holzskulpturen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert. Die Sammlung der Holzskulpturen aus dem Permer Gebiet sind Expeditionen zu verdanken, die von 1925 bis 1960 durchgeführt wurden. Die Skulpturen sind im 3. Obergeschoss untergebracht und ergeben zusammen mit der Spitze der Ikonostase in der Ausstellung ein künstlerisches und religiöses Ambiente.
 
Der russischen Kunst ist der Großteil der Ausstellungsfläche gewidmet. Unter den Werken finden sich Ikonen, die überwiegend aus der Uralregion stammen, aber auch namhafte Künstler wie Ilja Repin oder Natalja Gontscharowa. Die westeuropäische Kunst in der Ausstellung macht nur einen kleinen Teil aus, ist deswegen aber nicht weniger sehenswert. In den vier Räumen befinden sich Gemälde aus Italien, Frankreich und den Niederlanden, wie z.B. Melchior de Hondecoeter (1636-1695) „Hühnerhof“ oder Peter Paul Rubens (1577- 1640) „Das Gastmahl bei Simon den Pharisäer“.

Peter Paul Rubens: Das Gastmahl bei Simon dem Pharisäer

Das Bild ist dem gleichnamigen Werk in der St. Petersburger Ermitage nachempfunden und wurde vermutlich später durch die Schule Rubens geschaffen. Hier spiegelt sich ein typisches Verhalten des Museumsfonds wider: Auf der einen Seite sollten vollwertige Provinzmuseen eingerichtet werden, auf der anderen Seite hielt man es für notwendig die Meisterwerke in den beiden russischen Hauptstädten zu belassen. Die italienische Malerei ist u.a. mit den Künstlern Franciabigio (1482-1525) „Madonna“ und Antonio de Viterbo (gest. um 1516)  „Madonna mit Jesuskind“ vertreten.
 
In regelmäßigen Abständen führt die Permer Kunstgalerie Ausstellungen durch. Es ist bestimmt auch für Sie etwas dabei!

Glockenturm der Permer Staatlichen Kunstgalerie

Wenn Sie Russisch lesen können, finden Sie hier weitere Informationen zur Christi-Verklärungs-Kirche, zu den Holzskulpturen und zur Permer Staatlichen Kunstgalerie.

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