PERMMUSEUMXXI

 

Von Sabine Skott

Derzeit kann man in der Permer Staatlichen Kunstgalerie eine Ausstellung mit 19 Architekturentwürfen für ein Museum am Ufer der Kama sehen. Sie sind Ergebnis des Architekturwettbewerbs „PERMMUSEUMXXI“, an dessen Ende das erste russische Museum des 21.Jahrhunderts stehen wird. Die Idee für ein solches Museum ist auf den ambitionierten Kulturminister Oleg Oschtschepkow zurückzuführen, der mit Hilfe des Gouverneurs Oleg Tschirkunow seiner Idee von einem „Bilbao in Perm“ nun ein Stück näher gerückt ist. Der Wettbewerb wurde im letzten Jahr ausgeschrieben und animierte zahlreiche Architekten aus aller Welt ihre Entwürfe einzureichen. Unter den letzten 20 Wettbewerbern waren so bekannte Namen wie Coop Himmelblau und Zaha Hadid.

Das Konzept für den Wettbewerb wurde von dem österreichischen Kunsthistoriker Dieter Bogner entworfen. Im neuen Museum soll es demzufolge nicht nur Platz geben für die über 45 000 Werke der Sammlung der Permer Staatlichen Kunstgalerie, sondern auch Raum für Sonderausstellungen. Das Permer Museum soll ein Zentrum für Kunst und Kultur der Permer Region werden und diese in ganz Russland und der Welt bekannt machen. Außerdem soll das Museum ein Zentrum der Museologie werden und Ansprechpartner sein für die Museen in der Uralregion. Für den Architekturwettbewerb gab es einige museumsspezifische Bedingungen, wie z.B. die Integration von Projekträumen, einem Kindermuseum, einer Erholungszone, Seminarräumen, einer Bibliothek mit Archiv, einer Restaurationswerkstatt, einem Museumsshop und einem Restaurant.


Bernoskoni
Entwurf von Boris Bernaskoni

Das wichtigste Kriterium war jedoch die Auflage, dass das Museum das Ufer der Kama mit dem Stadtzentrum verbinden soll. Das Ufer der Kama steigt zum Stadtkern hin steil an und der Verlauf der transsibirischen Eisenbahnstrecke trennt das Zentrum vom Kamaufer. Organisiert wurde der Architekturwettbewerb durch das russische Zentrum für zeitgenössische Architektur ZSA. In der Jury waren namhafte Architekten der ganzen Welt vertreten, unter ihnen z.B. der Schweizer Peter Zumthor sowie Vertreter der Permer Regierung, wie Oleg Oschtschepkow der Kulturminister der Stadt. Die Gewinner wurden am 25. März bekannt gegeben. Der Wettbewerb, der insgesamt mit 300 000 USD Preisgeld dotiert war, wurde von zwei Teilnehmern gewonnen: Boris Bernaskoni, Moskau, Russland und Valerio Olgiati, Zürich, Schweiz. Den dritten Preis erhielt Zaha Hadid, London, Großbritannien.

 Olgiati
Entwurf von Valerio Olgiati

Da es zwei Gewinner gibt, wird sich das Permer Gouvernement die endgültige Entscheidung noch vorbehalten. Vermutlich wird jedoch der Entwurf von Bernaskoni umgesetzt. Der Bau besteht aus einen kubischen Baukörper, der sich an das Ufergefälle der Kama anschmiegt und somit eine waagerechte Verbindung vom Zentrum der Stadt zum Ufer der Kama bildet. Die Räume für die Ausstellung sind großzügig geplant und können mit Hilfe von Stellwänden in verschieden große Ausstellungsbereiche gegliedert werden. Das Museum verfügt über 20 000 qm Grundfläche, von denen 6600qm für die Ausstellung genutzt werden. Während der Bau von der Kama aus sehr dominant die Uferpromenade prägt, integriert sich die stadtseitige Fassade des Entwurfs ruhiger ins Stadtbild. Der Bau von Bernaskoni funktioniert als Brücke über die Bahnanlage hinweg und ist somit eine ideale Verbindung zwischen Stadtzentrum und Kamaufer. Der Dachbereich des Entwurfs kann als Aussichtsplattform genutzt werden und würde somit sicherlich nicht nur zu einer touristischen Attraktion, sondern auch zu einem der Lieblingsplätze der Permer werden.

Entwurf von Zaha Hadid

Auf der einen Seite Museum und auf der anderen Seite moderne Stadtarchitektur. Beide Seiten hoffen von dem neuen Bau zu profitieren. Die Direktorin der Permer Kunstgalerie Nadjeshda Beljajewa glaubt, dass durch den neuen Bau auch attraktive Sammlungen ihren Weg nach Perm finden, als Sonderausstellung oder als Leihgabe und die Stadtregierung erhofft sich einen wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Zumindest für die Stadt scheint dieser Plan aufzugehen. Obwohl im Moment noch kein einziger Stein für den neuen Bau bewegt wurde, ist das zukünftige Museum schon jetzt Ausgangspunkt für weitere Planungen. So soll am Ende der Kamabrücke, in unmittelbarer Nähe zum neuen Museum, das Einkaufszentrum „Kama-Gates“ entstehen und mehrere Wohnkomplexe in der Umgebung des Museums sind bereits in Planung.

 
Quellen:
http://www.permmuseumxxi.ru/
http://www.ura.ru/content/perm/25-03-2008/news/36289.html
http://lenta.ru/photo/2008/03/26/perm/
lenta.ru/articles/2008/03/25/perm/

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