Mein Auslandspraktikum an der Staatlichen Technischen Universität Perm

Februar bis Juni 2007

 
von MMag. Elisabeth Vantsch
 
Im Rahmen des von der Österreich-Kooperation organisierten Mobilitätsprogramms „DaF Praktika“ gibt es für DaF-Studenten die Möglichkeit ein Praktikum in Perm zu absolvieren. Schon während meines Studiums habe ich mit der Idee, ein DaF-Praktikum im Ausland zu absolvieren, geliebäugelt, habe mich aber dann erst am Ende meines Studiums dazu entschlossen. Als ich davon erfahren hatte, dass mir der Praktikumsplatz in Perm zugewiesen worden war, habe ich mich sehr darüber gefreut, da Russland meine erste Wahl war.

Elisabeth Vantsch

Perm hat sich dann auch noch als richtiger Glücksgriff erwiesen, da man als Praktikant an der Technischen Universität die Möglichkeit hat, sich in vielen verschiedenen Bereichen zu engagieren und die Unterrichtsstunden nach Belieben planen und gestalten kann. Besonders froh war ich auch darüber, dass mich Frau Dr. Agapitowa – die Mentorin der Praktikanten – so herzlich in Perm empfangen hat und immer zur Stelle war, wenn ich ihre Hilfe brauchte.
 
Die Arbeit mit den Studentinnen und Studenten hat mir sehr viel Spaß gemacht, manche waren sehr engagiert und hilfsbereit und haben mich auch an ihrem privaten Leben teilnehmen lassen. So wurde ich zum Beispiel einmal von einer Studentin dazu eingeladen, bei ihrem Eissynchronlauf-Training zuzuschauen oder ich bin mit den älteren Studentinnen nach der Stunde auf einen Tee ins Café gegangen.

  
Perm liegt an dem Fluss Kama

Unterricht
Die Kurse, die man als Praktikantin zugewiesen bekommt, sind für die Studenten in der Regel nicht verpflichtend und laufen unter dem Titel „Konversation“. Man kann die Stunden sehr frei gestalten und sich deshalb bereits zu Hause Gedanken darüber machen, welche Inhalte man vermitteln möchte und welche Materialien man dafür braucht.
In der Permer Gorkij-Bibliothek gibt es einen Deutschen Lesesaal, der vom Goethe-Institut finanziert wird. Man findet dort eine große Auswahl an Lehrwerken, Videokassetten, Hörbüchern und anderen Unterrichtsmaterialien. In diesem Lesesaal gibt es auch ein paar Regale mit Werken bekannter deutschsprachiger Autoren und ein breites Angebot an Zeitschriften.
 
Wenn man spezifisch Österreichisches sucht, ist man mit dem Schrank im Raum 443 am Lehrstuhl gut bedient. Dort findet man zum Beispiel mehrere Exemplare des Kalenders „Menschenbilder 2006“, einen Ordner mit österreichischer Literatur plus Didaktikteil, verschiedene Videos des BMBWK, mehrere Bände der „Materialien zur österreichischen Landeskunde“, „Wien spielerisch“, „Wien spielerisch durchschauen“, einige (noch verpackte) Romane österreichischer Klassiker, das Variantenwörterbuch, das Österreichische Wörterbuch, die CD „Österreichisch in 50 Minuten“, „Hören 1“, „Auf a Liad“ und andere Liedersammlungen. Von dem Buch „Zwischen den Kulturen“ sind etwa zehn Exemplare vorhanden.
 
Ich habe in diesem Schrank auch einige Materialien hinterlegt, die ich mitgebracht habe: das Video „Tirol – Harmonie der Gegensätze“, die DVD „Maximilian in Innsbruck: Das größte Kaisermonument des Abendlandes“, eine Walzer CD, das Büchlein „Kurzer Blick in die Heimatgeschichte: Tirol – Südtirol: Gestern und heute“, das Buch „Das war Österreich“ von Robert Menasse, einen Reiseführer für Innsbruck, verschiedene Folder zu Innsbruck, den Österreich-Spiegel mit CD Nr. 36/06, „Der Talisman“ von Johann Nestroy in der Reclam-Ausgabe, ein Video mit Fernsehmitschnitten (u.a. zum Thema Klimawandel) und das Büchlein „Österreich konkret: Zahlen und Fakten“.
 
Selber sollte man möglichst ganz aktuelle, authentische Materialien mitbringen. Besonders für Hörtexte, aktuelle Musik und Fernsehmitschnitte zeigen die Studenten großes Interesse. Die Ausschnitte der vorletzten Sendung von „Starmania“, die ich auf Video aufgenommen hatte, begeisterten sie zum Beispiel ungemein. Gut geeignet sind auch Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften, Fotos und Materialien der Österreich-Werbung. Vor allem ein paar Poster sollte man mitbringen, da sich Frau Dr. Agapitowa über eine Neugestaltung des Raums 443 sehr freuen würde.

Die Permer Staatliche Technische Universität

Ich habe pro Woche 10 Stunden (5 Doppelstunden) unterrichtet. Diese setzten sich aus Konversationsstunden für das erste, zweite und dritte Studienjahr, einem Vorbereitungskurs für das ÖSD „Mittelstufe Deutsch“ und einem Spanischkurs zusammen.
Die Stunden dauern jeweils zwischen 80 und 90 Minuten, abhängig davon, wie lange man die Studenten Pause machen lässt. Eine fünfminütige Pause ist üblich, manchmal wird man von den Studenten daran erinnert, manchmal verzichten sie auch darauf.
 
Die Studenten interessieren sich sehr für Österreich und möchten auch möglichst viel darüber erfahren. Der Inhalt meiner Stunden war deshalb immer auf Österreich bezogen, was bei den Studenten ziemlich gut angekommen ist. Wenn man den Unterricht plant, sollte man sich vor Augen halten, dass sie Studenten zwischen 17 und 20 Jahren alt sind. Sie interessieren sich folglich für Themen wie Musik und Lifestyle, aber auch für Literatur, da für ihre Ausbildung kaum Lehrveranstaltungen zur deutschsprachigen Literatur vorgesehen sind. Bei der Arbeit mit literarischen Texten musste ich immer wieder über die Kreativität der Studenten staunen, weshalb mir – und wohl auch den Studenten – diese Stunden besonders viel Spaß bereitet haben.
Das Sprachniveau der Studenten ist durchwegs sehr hoch, was die Unterrichtsplanung sehr erleichtert, da man auch schwierigere Texte und Inhalte problemlos behandeln kann.
 
 
Lehrerfortbildung
Ende März haben Frau Dr. Agapitowa, Sabine Skott (Lektorin der Robert Bosch Stiftung) und ich am Lehrerfortbildungszentrum POIPKRO ein dreitägiges Fortbildungsseminar für Deutschlehrer aus Perm und der Permer Region durchgeführt. Jede von uns gestaltete dabei acht Unterrichtseinheiten. Meine Themen waren: Literatur im DaF-Unterricht (3 Unterrichtseinheiten), Musik im DaF-Unterricht (2 Unterrichtseinheiten) und Spiele im DaF-Unterricht (3 Unterrichtseinheiten). Darüber hinaus habe ich den Seminarteilnehmerinnen einen kurzen Überblick über die neuesten Entwicklungen und Geschehnisse in Österreich gegeben. Da auch Sabine Skott einen Teil ihrer Unterrichtseinheiten zum Thema Musik im DaF-Unterricht gestaltet hat, haben wir für die Kursteilnehmer eine Lieder-CD gebrannt, da es wohl wenig Sinn macht, über dieses Thema zu sprechen, wenn die Lehrerinnen nach der Fortbildung keinen Zugang mehr zu den Materialien haben. Wir haben auch einige von den Gedichten, mit denen wir während des Seminars gearbeitet haben, am Lehrstuhl selbst aufgezeichnet und dann ebenfalls auf dieselbe CD gebrannt, um den Teilnehmerinnen noch mehr Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen.
Lehrer auf der Lehrerfortbildung

Diese Lehrerfortbildung war eine besondere Erfahrung und Herausforderung für mich, schließlich sollte ich Lehrerinnen unterrichten, von denen die meisten schon seit vielen Jahren Deutsch unterrichteten und somit so viel mehr Unterrichtserfahrung als ich besaßen! Deshalb war ich sehr froh, dass meine Ideen durchwegs positiv aufgenommen wurden. Besonders die Anwendung von Spielen im Unterricht stieß auf großes Interesse; bei dem anschließenden Selbstversuch stellte sich heraus, wie wichtig es ist, theoretische Inhalte auch selbst einmal praktisch aus zu probieren, weil dadurch viele Missverständnisse und Zweifel beseitigt werden können. Die Arbeit mit den Deutschlehrerinnen bereitete mir große Freude und machte mir sehr viel Spaß, da alle unglaublich aktiv und aufmerksam am Seminar teilnahmen. Falls Frau Dr. Agapitowa auch in Zukunft solche Fortbildungen plant, möchte ich meiner Nachfolgerin unbedingt raten, daran teil zu nehmen, auch wenn die Vorbereitungen viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Aufwand lohnt sich mit Sicherheit!
 
Österreich-Veranstaltung in der Gorkij-Bibliothek
Die Bibliothekarinnen des Goethe-Lesesaals in der Gorkij-Bibliothek haben mich darum gebeten, an einem Abend zusammen mit den Studenten Österreich zu präsentieren. Da ich zu diesem Zeitpunkt im Unterricht bereits Tirol und Innsbruck behandelt hatte, lag es nahe, die Vorträge auch zu diesen Themen zu gestalten. Ich beauftragte die Studenten des 1. Studienjahrs deshalb damit, mit meiner Hilfe ein Referat über die Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Innsbruck zu schreiben. Das 2. Studienjahr sollte sich mit den Sitten und Bräuchen Österreichs (mit Schwerpunkt Tirol) beschäftigen. Jede Gruppe gestaltete zusätzlich eine Power-Präsentation, um ihre Themen anschaulicher darstellen zu können.

Elisabeth Vantsch, Sabine Skott und Michael Weilgunni im deutschen Lesesaal in Perm

Da zu dieser Veranstaltung auch Russen eingeladen wurden, die kein Deutsch sprechen, plante eine Lehrerin der Technischen Universität eine Übersetzung der Referate innerhalb ihres Dolmetscher-Clubs. Dieser Club trifft sich während der Vorlesungszeit regelmäßig. Bei den Veranstaltungen halten Muttersprachler des Deutschen oder des Russischen Vorträge, die von den Studenten des 3. oder 4. Studienjahrs konsekutiv entweder ins Russische oder ins Deutsche übersetzt werden. Eine Jury, die aus Professoren und Studenten besteht, bewertet anschließend die Leistung der Dolmetscher.
Die Veranstaltung fand am 23. April statt und war sehr gut besucht. Die Bibliothekarinnen nutzten die Gelegenheit, den Goethe-Lesesaal und die Bücher über Österreich, die in der gesamten Bibliothek vorhanden sind, kurz zu präsentieren; das DAR-Zentrum wurde von Frau Dr. Agapitowa vorgestellt. Wien wurde von zwei Russinnen präsentiert, die über ihre Reiseeindrücke berichteten. Am Schluss der Veranstaltung sangen zwei der österreichischen Austauschstudentinnen „Fürstenfeld“, das sie für einen Auftritt beim „Studentischen Frühling“ vorbereitet hatten. Damit klang der Österreich-Abend in der Gorkij-Bibliothek gelungen aus.
 
Seminar „Wie bewerbe ich mich richtig?“
Ende Mai haben Sabine Skott und ich ein zweistündiges Bewerbungsseminar veranstaltet.
Ein solches Seminar erschien uns also sinnvoll, um den Studierenden, die sich zum Beispiel für ein DAAD-Stipendium oder für ein Praktikum bewerben möchten, zu zeigen, worauf sie bei ihrer schriftlichen Bewerbung achten müssen. Die Themen unseres Seminars waren: Anschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben und Bewerbungsfoto.
 
Spanisch-Kurs
Während meines Aufenthaltes hatte ich die Möglichkeit einen Spanisch-Kurs für Anfänger an der Universität anzubieten. Der Kurs war gut besucht, da es in Perm nicht viele Möglichkeiten gibt Spanisch zu lernen. Es haben sowohl Studenten, als auch Lehrer der Universität an dem Kurs erfolgreich teilgenommen.
 
Die Stadt Perm  
Ballett: Die Aufführungen des Permer Balletts im Operntheater sollte man auf keinen Fall verpassen. Nach dem Moskauer und dem St. Petersburger Ballett zählt die Permer Truppe zu den berühmtesten Balletttruppen in Russland. Besonders die bekannten Stücke wie zum Beispiel Schwanensee und Nussknacker sind schnell ausverkauft. Man sollte sich also frühzeitig um Karten kümmern. Das Programm und die Tickets erhält man bei der Opernkasse, die sich in einem kleinen Gebäude rechts vom Theater befindet. Die teuersten Karten kosten etwa 10 Euro.

 
Schwanensee des Permer Balletts

Langlaufen: Wer gerne Wintersport betreibt, kann in Perm sehr gut Langlaufen. Am Stadtrand befinden sich eine Reihe von „Basen“, wo man Langlaufskier ausleihen kann. Während meines Aufenthalts hat dies für zwei Stunden 80 Rubel gekostet. Am besten ist es, wenn man Langlaufen geht, wenn es noch recht kalt ist, weil dann der Schnee die beste Konsistenz aufweist. Es besteht auch die Möglichkeit, direkt beim Wohnheim im Wald Langlaufen zu gehen.
 
Gorki-Park: Den Gorki-Park sollte man im Februar unbedingt besuchen, weil dort in diesem Zeitraum Eisskulpturen, die verschiedene Künstler gestaltet haben, ausgestellt werden. Die Besichtigung kostet 20 Rubel.

Der Gorki-Park in Perm

Banja: Eine Banja wird privat für 2 Stunden vermietet. Es ist nicht ganz billig (ungefähr 1000 Rubel); wenn man aber in einer größeren Gruppe hingeht, hat man mehr Spaß und es ist nicht mehr so teuer, da der Betrag unter mehreren Personen aufgeteilt wird. Man muss auf jeden Fall früh genug einen Termin ausmachen, da die Banja eine sehr beliebte Einrichtung ist.
 
Eiskunstlaufshows: Während der Wintersaison gibt es in Perm eine Reihe von Eiskunstlaufshows – mit sehr bekannten Eiskunstläufern – von denen man sich auf jeden Fall zumindest eine anschauen sollte. Die Karten sind zwar nicht ganz billig (600-800 Rubel für bessere Plätze), dafür erlebt man aber einen grandiosen Abend mit russischem Pomp und Kitsch. Man sollte sich früh genug um die Karten kümmern, weil die meisten Russen Eiskunstlauf lieben und die günstigeren Karten deshalb schnell ausverkauft sind!
 
Studentischer Frühling: Jedes Jahr im Frühjahr treten die Fakultäten gegeneinander an und tanzen, singen oder kunstturnen um die Wette. Dabei sind diese Shows so professionell gestaltet, dass es schwer zu glauben scheint, dass auf der Bühne „nur“ Studenten und keine Vollprofis stehen. Die Darbietung der Studenten wird dann von einer vielköpfigen Jury kommentiert und bewertet. Aus den einzelnen Shows werden dann die besten Performances ausgewählt, die man dann noch einmal bei einem „Best of“-Abend zu sehen bekommt. Dank Frau Dr. Agapitowa habe ich noch im letzten Moment ein paar Karten für diesen sehr beliebten Event bekommen, für den man nur sehr schwer Karten erhält. Dieser Abend war wirklich einmalig und sehr beeindruckend. Ich hoffe, dass auch die nächsten Praktikanten und Praktikantinnen die Chance erhalten, eine oder mehrere Shows zu sehen.
 
 
Ausflüge
Rund um Perm gibt es ein paar interessante Ausflugsziele. Auf jeden Fall sollte man nach Chochlovka fahren. In diesem Freilichtmuseum kann man einige sehr gut erhaltene und interessante russiche Holzbauten (Kirchen, Wohnhäuser, eine Mühle usw.) bewundern. Der Ort ist mit dem Bus einfach zu erreichen. Leider fährt nur etwa alle 3 Stunden ein Bus, was besonders für die Rückfahrt unangenehm ist, weil die Besichtigung des Museums nicht sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und es im Dorf ansonsten nichts zu sehen und auch kein Café gibt.
Ein weiteres Ausflugsziel ist Kungur, ein typisch russisches Dorf, wo man eine Eisgrotte besuchen kann.
Zur „Gedenkstätte der Geschichte politischer Repression Perm 36“ werden manchmal von der Universität aus Busfahrten organisiert, da das Museum, das sich als einziges GULAG-Museum auf dem Gelände eines ehemaligen Arbeitslagers befindet, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist.
Über ein Wochenende oder die Osterferien kann man auch nach Jekaterinburg oder nach Kasan fahren. Beide Städte sind mit dem Zug erreichbar, wobei die Verbindung nach Kasan nicht so ideal ist. Dafür wird man in Kasan von den wunderschönen Gebäuden im Kreml für die nicht besonders komfortable Anreise entschädigt. Darüber hinaus ist Zugfahren in Russland immer ein Erlebnis und man sollte sich eine Fahrt in einem russischen Nachtzug auf keinen Fall entgehen lassen!
 
 
Abschließend möchte ich sagen, dass dieses Auslandspraktikum eine ungemein wertvolle und unvergessliche Erfahrung für mich war, und ich möchte mich herzlich bei Frau Dr. Faistauer und Frau Dr. Agapitowa dafür bedanken, dass mir dieses Praktikum ermöglicht wurde und ich wünsche allen folgenden Praktikanten und Praktikantinnen eine mindestens genauso erlebnisreiche Zeit!

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